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Chronik | 02.Bezirk Waidhofen/Thaya
„Wir leben nicht mehr nur in einer analogen Welt!“

Letzte Änderung: 18.10.2017 12:11:36
   
Waidhofen: In Kooperation mit der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien/Krems und der Donau-Universität Krems lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 10. Oktober 2017 zum Vortrag “Das digitale Zeitalter ist zu Ende. Der Mensch übernimmt wieder das Kommando” in das BG/BRG Waidhofen/Thaya. Das Interesse an den Ausführungen von Golli Marboe war dabei sehr groß.

Bürgermeister Robert Altschach bezog sich bei seiner Begrüßung auch auf die politischen Vorgänge der letzten Wochen. “Wenn Sie das digitale Zeitalter beenden können, würde ich Sie zum Ehrenbürger in Waidhofen machen”, so Altschach augenzwinkernd zu Marboe.

Golli Marboe selbst, Journalist und Medienexperte, der mit seinem Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgang mit Medien auch Institutionen und Personen aller Altersklassen berät, verstand es dann einen kurzweiligen Überblick über ein sehr umfangreiches Thema zu geben. “Ich bin mit Medien aufgewachsen und habe deshalb keine Angst davor, ich freue mich, da ist sehr viel Service drin’”, so Marboe eingangs, “wir brauchen aber auch das Handwerkszeug für diese vierte Kulturtechnik, der selbstbestimmte Umgang mit Medien muss im Unterricht verankert werden.”

Auch mit den Jugendlichen sollte auf Augenhöhe kommuniziert und umgegangen werden. “Wir sind immer zu spät, wenn wir glauben, das machen zu müssen, was unsere Kinder machen”, so Marboe, der auch darstellte, dass die Gruppe, die am meisten in sozialen Medien aktiv ist, Frauen zwischen 30 und 40 sind.

Auch vor der Angst vor Social Media und Co. relativierte er: “Medien sind technische Geräte, die nicht böse und nicht gut sind. Sie selbst bleiben derjenige, der die Medien füttert. Medienkonsum ist integraler Bestandteil unseres Alltags. Wir leben nicht mehr nur in einer analogen Welt und man kann diese beiden Welten auch nicht voneinander trennen.” Diese Behauptung untermauerte der Medienexperte auch mit Zahlen: “Letztendlich hat man derzeit mehr mit Medien zu tun, als man schläft. Dabei ist das Fernsehen nach wie vor das Leitmedium, vor allem für Kinder bis acht Jahre.” Hier plädierte Marboe für einen öffentlich-rechtlichen Kindersender, um Kinder besser zu informieren und vor Werbung zu schützen.

Für eine Unsitte hält Marboe auch die Benutzung von Nicknames in sozialen Medien. “Das muss beseitigt werden. Nicknames sind kontraproduktiv und ein großes Problem, weil wir unser Gegenüber nicht als Mensch ansehen, dem etwas weh tun kann.”

Bildung, Medien und Demokratie sind für Marboe ein “schöner und wichtiger Dreiklang”, weshalb auch journalistische Tugenden im Unterricht verankert werden sollten. “Wir brauchen mündige Bürger, die erkennen können, was guter Journalismus ist. Die Gratiszeitungen sind viel gefährlicher als das Netz”, so Marboe. Aufgrund der Schnelligkeit werden sich Medien ändern, weg von den Nachrichten hin zu Kommentaren.

In einer anregenden und spannenden Diskussion verlieh Marboe seinen Ausführungen und Forderungen noch einmal Nachdruck: “Wir müssen den Umgang mit Medien bereits in den Schulen lernen!” Äußerst erfreut über die bunte Mischung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Schüler und Jugendliche, Eltern und Lehrer sowie Bürgerinnen und Bürger aus der Region – zeigte sich auch WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz, der betonte: “Seriöse Information ist dann möglich, wenn Quellen hinterfragt werden können und der verantwortungsvolle Umgang mit Medien früh gelernt wird.”

Informationen-Foto:
WALDVIERTEL AKADEMIE
Christoph Mayer, MAS
3830 Waidhofen/Thaya
www.waldviertelakademie.at

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